Einspruch! - Das Fastenzeit-Projekt der Jungen NAHE Kirche

In der aktuellen Believe, dem Jugendmagazin im Bistum Trier (Ausgabe 1 2020, Mai) ist ein Artikel über unser Fastenzeit-Projekt erschienen, der nochmals einen guten Einblick in unsere Erfahrungen gibt. 

Artikel in der Believe

In der aktuellen "Believe", dem Jugendmagazin des Bistums Trier, geht es in der ersten Ausgabe dieses Jahres um das Thema Digitalisierung.
Passend dazu, haben wir auch einen Artikel über unsere Erfahrungen mit dem Fastenzeit-Projekt "Einspruch" beigesteuert.
Du kannst den Text hier auf der Homepage nochmal nachlesen, oder gleich direkt die ganze Believe runterladen.
Gerne schicken wir dir auch ein Exemplar der Believe per Post zu, schick uns dazu einfach eine kurze Nachricht.

Unser Artikel im Wortlaut

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Manchmal frage ich mich ja, wie eine Welt ohne Internet so gewesen ist. Wir gehören zur ersten Generation, die komplett digital aufwächst. In der Pädagogik werden wir deswegen auch als „digital natives“ bezeichnet, als „digitale Ureinwohner“.

Welchen Unterschied es machen kann mit dem Internet und allem was dazu gehört aufgewachsen zu sein oder nicht, erlebe ich in regelmäßigen Abständen in unserem Dekanatsbüro. Dort habe ich mittlerweile ähnliche Aufgaben wie bei meinen Eltern: „Michael, kannst du mir mal gerade zeigen, wie ich das Bild hier aus dem Internet auf den Computer bekomme?“ Für mich ist es kaum vorstellbar, eine Welt, in der das Internet und der Umgang damit nicht selbstverständlich ist.

Doch – und in letzter Zeit komme ich mehr und mehr zu dieser Überzeugung – hatte eine Zeit ohne Internet auch Vorteile. Sicher gab es in jeder Generationen Menschen, für die Fakten eher Hindernisse im eigenen schrägen Weltbild waren und für die alles was differenzierter sein muss als „ich“ und „die da“ eine Überforderung darstellt. Allerdings – so stelle ich es mir zumindest vor – haben diese Menschen früher am Stammtisch in ihr Bierglas genuschelt, heute haben sie durch das Internet ein breites Publikum, bestärken sich gegenseitig und bilden eine immer größer werdende Blase jenseits von nachweisbaren Tatsachen, qualitativen Recherchen und einer notwendig differenzierten Sicht auf eine komplexe Welt.

Digitalisierung hat also viele Vorteile. Es bringt die Welt zusammen. Gerade in der Zeit der Corona-Krise wird dies ganz besonders deutlich. Doch es bringt auch Menschen und Gedanken zusammen, die summiert eine Gefahr für unsere Gesellschaft werden. 

 

Eine Jugendgruppe im Rahmen der Jugendprojektes „Junge NAHE Kirche – Jugendpastoral von Birkenfeld bis Kirn“ hat sich in der Fastenzeit dieses Themas angenommen. Gemeinsam haben wir überlegt, was denn Fastenzeit eigentlich bedeutet. Schnell wurde klar: Heutzutage betrachtet man Fastenzeit vor allem unter der Perspektive des Verzichtes. Das ist natürlich ein wesentliches Element, doch hat die Idee der Fastenzeit nicht unbedingt direkt etwas mit „Diät zu gesundheitlichen Zwecken“ zu tun. Es geht mehr um eine innere Neuausrichtung, eine Orientierung an dem, was im Leben wirklich wichtig ist. So haben wir uns überlegt, dass wir  die Fastenzeit dieses Jahr ganzheitlicher betrachten wollen. Jeder hat für sich einen Verzicht festgelegt (vom eigenen Auto bis zur klassischen Schokolade war alles dabei) aber auch die in der Fastenzeit geforderten Werke der Nächstenliebe wollten wir ernst nehmen. Und nach langer Diskussion haben wir uns auf das Projekt „Einspruch!“ geeinigt.

 

Im Nachhinein betrachtet denke ich mir: Was ein Segen! Natürlich weiß man, welche Abscheulichkeiten einem in Social-Media Kommentaren begegnen können. Aber wenn man einmal bewusst darauf achtet, ist die Nutzung von Instagram und insbesondere von Facebook kaum noch auszuhalten.

Ich habe mein Leben lang in das DEUTSCHE Steuersystem eingezahlt. Und nicht in Europäisches oder weltliches. Und diese Sozialleistungen sollen den in Not geratenen deutschen dienen und nicht den Kanaken!“

 

„Wer sich in ein Boot setzt muss damit rechnen zu ersaufen!“

 

„Die Flüchtlinge müssen da aus Griechenland weg! Die zerstören ein Paradies!

 

„Man könnte doch die sog. „Flüchtlingsreserve“ im Haushalt in einer Größenordnung von ca. 50 Milliarden Euro auflösen und zur Finanzierung unserer Krise hier verwenden. Dann wird endlich wieder deutsches Steuergeld für anständige Deutsche eingesetzt, anstatt für das Eliten-Moral-Projekt des 21. Jahrhunderts sinnlos in die Ärsche von faulen Migranten geschleudert“

 

„Merkel soll die Fresse halten! Jetzt groß aufspielen und dann doch die Flüchtlinge hier ins Land lassen. Wer weiß, was die alles einschleppen“

 

„Bevor ich irgendeinem dieser Kinderficker aus dem Morgenland hier Asyl geben würde, würde ich ihm die Glocken abschneiden. Sicher ist sicher“

 

Neben solchen widerwärtigen „Analysen“ der Flüchtlingspolitik sind wir natürlich auch auf die unterschiedlichsten und haarsträubendsten Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Krise gestoßen. 

 

Eines wurde uns sehr schnell klar. Mit dem Projekt #einspruchinderfastenzeit sind wir absolut richtig unterwegs! Denn mit unserem Konzept durften wir eine wichtige Erfahrung machen: Nächstenliebe ist in nicht nur eine Frage der analogen Welt, es wird mehr und mehr eine Frage der digitalen Welt. Wie ich mit Menschen umgehe, wie ich mich als Christ in einer unchristlichen Umgebung positioniere, welche Werte ich vertrete und woran ich letztlich glaube, all das sind Fragen, die seit 2000 Jahren analog durchgekaut werden, digital aber letztlich noch wenig Beachtung finden. 

Und auch wenn wir in den meisten Diskussionen auf Granit gestoßen sind, wahrscheinlich nur sehr wenige Menschen überhaupt zum Nachdenken angeregt haben und nur wenige Diskussionen tatsächlich in eine andere Richtung lenken konnten: Wir haben etwas getan. Wir haben Flagge gezeigt für ein christliches Menschenbild, in dem jeder Mensch die gleiche Würde hat, in dem jeder Mensch, egal auf welchem Fleckchen Erde er geboren wurde, als geliebtes Kind Gottes mir Schwester und Bruder ist. Und einen besonders kreativen Umgang der Jugendgruppe mit unserem Thema möchte ich euch nicht vorenthalten. Es ist ein berühmtes biblisches Gleichnis, an der ein oder anderen Stelle minimal verändert: 

 

Das Gleichnis vom barmherzig-postenden Samariter 

Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben! Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Kindern lungern in Matsch und Kälte an der griechischen Grenze und werden von Europa ignoriert. Ein junger Mann sah es auf Facebook scrollte weiter. Auch ein anderer entdeckte einen Post zum Thema; er las ihn und pöbelte wie ein Irrer in der Kommentarfunktion auf die unschuldigen Kinder ein. Ein Samariter aber, der auch Facebook benutzt, sah den Post und hatte Mitleid. Er wiedersprach den dumpfen Parolen seines Vorredners und zeigte ihm deutlich, was er von so viel Menschenhass hielt. Dann suchte er im Internet nach Möglichkeiten, die Kinder an der Grenze zu unterstützen. Jesus fragte: Wer von diesen dreien meinst du, ist den Kindern an der Grenze der Nächste geworden? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der barmherzig an ihnen gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann öffne Facebook und handle du genauso!

Direkt zur Believe

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Die ganze Believe, mit unserem Artikel (S. 12-13) und vielen weiteren interessanten Perspektiven zum Thema Digitalisierung kannst du auch gleich hier auf unserer Homepage downloaden.

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